Montag, 28. Mai 2012

Warum wir nicht die historische Klimaschuld haben


Bei der ganzen Debatte um die globale Erwärmung und den Ausstoß von Treibhausgasen, wird immer wieder darauf Hingewiesen, von Seiten grüner Politiker, chinesischer Ministerpräsidenten, bzw. anderer Politiker von Schwellenländern und sogar von Klimaforschern  (Minute 19:20) das wir -die klassischen Industrieländer- eine "historische CO2-Schuld" haben, und daraus eine besondere Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels folgt. Ich halte dies für Falsch. Im kommenden will ich erläutern warum das nicht so sehe.

Ja es stimmt, die Treibhausgase welche heute in der Atmosphäre sind, wurden zu einem sehr großen Teil in Staaten emissioniert, welche man Industriestaaten nennt. Korrekter wäre allerdings der Begriff frühe Industriestaaten, denn es ist keineswegs so das in den Volkswirtschaften dieser Länder die Industrie eine wichtigere Rolle spielen würde als in der Gesamtheit aller Staaten. Das erste Industrieland von allen -Großbritannien- ist sogar davon geprägt besonders deindustrialisiert zu sein.

Die Frage die sich mir stellt: Ist es legitim die CO2-Emissionen, die aus den Schornsteinen der frühen Industrialisierung kommen, den frühen Industriestaaten zuzurechnen? Meine Antwort ist nein. Die CO2 Emissionen der Anfangsphase der Industrialisierung stammen, müssen denen zugerechnet werden, die von ebendieser Industrialisierung profitieren. Das sind auch die frühen Industriestaaten, die heute im Allgemeinen immer noch über einen höheren Lebensstandard verfügen als andere Staaten. Aber es sind eben nicht nur diese Staaten. Warum?

Weil die Technologien der frühen Industrialisierung heute von allen Verwendet werden um den Lebensstandard zu erhöhen. Die Schwellenländer können nicht Kohlekraftwerke, Turbinen, Autos, Hochhäuser, Generatoren, Strom, Funktechnik, Computertechnik innerhalb (und auch außerhalb) des internationalen Patentrechts, welcher nach maximal 20 Jahren* vorsieht, verwenden, sich aber von den CO2 Emissionen der Gesellschaften, lossagen, die es erfanden, und die auch Notwendig waren um es zu erfinden. Der Ottomotor basiert zum Beispiel in einigen Details dem Stirlingmotor. Die Wahrscheinlichkeit das Nikolaus August Otto also den Ottomotor in einer Welt ohne den Stirlingmotor einfach so spontan auf ein weißes Blatt Papier gezeichnet hätte, sind äußerst gering. Also war der Stirlingmotor und seine Anwendung -verbunden mit den CO2 Ausstößen- Notwendig, damit der Ottomotor erfunden werden konnte. Wer heute Autos baut -größter Autohersteller ist China- profitiert damit nicht nur von den 127 Jahren Fortentwicklung seit Carl Benz' Patentmotorwagen Nummer 1, dessen Begleitumstände natürlich auch mit CO2 Emissionen verbunden waren, sondern auch von den Entwicklungen davor. Gleiches gilt auch für die diversen anderen Technologien die nicht vom Himmel gefallen sind, sondern in Treibhausgas emissionierenden Gesellschaften erfunden, entwickelt und verbessert wurden.

Die von hiesigen Politikern, solchen von Schwellenländern, als auch Klimaforschern vorgenommene Trennung von den Früchten (Erfindungen) und den Lasten (Umweltverschmutzung) ist in hohem Maße unzulässig. Es geht sogar noch weiter: Der Hauptgrund** warum die Treibhausgasemissionen der Schwellenländer ansteigt, ist doch, das Sie die in den Staaten der frühen Industrialisierung erfundenen Technologien einsetzen um Ihren Wohlstand zu steigern. Das diese nun von den frühen Industrienationen fordern im besonderen Umfang den Einsatz eben dieser Technologien zu reduzieren, und dies mit dem Hinweis auf die Treibhausgasemissionen begründen welche in den Zeiträumen entstanden sind, aus denen die Technologien stammen, ist schlichtweg dreist.

Dies heißt natürlich nicht, das armen Ländern nicht von reichen Ländern geholfen werden soll, die Folgen des Klimawandels besser bewältigen zu können, oder die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dies sollte jedoch nach Leistungsfähigkeit eines Landes erfolgen, oder Verwendung von treibhausgasemissionierenden Technologien, jedoch nicht, nach der Betrachtung der historischen Treibhausgasemissionen. Denn dies ist unrecht, wenn auch nicht die Erfindung der entsprechenden Technologien vergütet wird.

Aber es stellt sich generell die Frage, wie in der Klimapolitik in der Nach-Kopenhagen-Zeit zu verfahren ist. Denn letztendlich hat "die Welt" dort Europa/Japan klar gemacht, das Sie nichts gegen den Klimawandel unternehmen will, allerhöchstens noch gerne den Entschädigungscheck für den Klimawandel annehmen würde. Diesen am besten ohne Zweckbindung. Aber das ist ein ganz anderer Post.

Liebe Grüße
Tim Leuther

Post Scriptum (09.06.12)
Letztendlich ist das Argument die "Klimasschuld" der frühen Industrialisierung liege allein bei uns, und nicht bei allen Profiteuren, also den Anwendern der Technologien, ein rassistisches, weil es die Erbschuld an ein biologisches Verwandschaftsverhältnis knüpft und nicht die Zusammenhänge genau beleuchtet und verursachungsgerecht zuordnet.

*Außer bei Medikamenten, da sind es maximal 30 Jahre, aber dafür ist beginnt die Patentfrist schon in einer sehr frühen Phase, bis es zugelassen wird/ Umsätze generiert läuft die Frist schon.

**Neben Dingen wie den Waldrodungen, Waldbrandrodungen, dem Methanemissionen durch Reiskulturen

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